Haltung von Eichhörnchen

Ein paar Worte vorab:

Ich selbst hatte lange Jahre Freude an der Haltung und Zucht von Eurasischen Eichhörnchen. Aus heutiger Sicht würde ich von der dauerhaften Haltung eher abraten, denn es ist sehr schwer dem Bewegungsdrang der Tiere gerecht zu werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass es Tierhalter gibt die sich ihrer Verantwortung bewusst sind – aber leider gibt es viel mehr Menschen, die Eichhörnchen in viel zu kleine Gehege oder gar in Käfige sperren. Zu meinem Entsetzen ist es auch irgendwie trendy geworden die Tiere in der Wohnung zuhalten, mit eigens hergebasteltem Hörnchenzimmer. Das ist gut gemeint aber völlig daneben !

Eichhörnchen sind Wildtiere und müssen raus ! Sie brauchen das Klima, den Regen, Erde unter den Füssen und Moos indem sie sich gerne wälzen. Sie wollen von Ast zu Ast hüpfen, die Nase in den Wind strecken und über das Gras rennen. Sperrt sie bitte nicht in einem mit Kratzbaum und ein paar vertrockneten Ästen umgebauten Hauswirtschaftraum. Und bringt sie auch nicht die Zeit, in der ihr arbeiten seid in einem Käfig für Streifenhörnchen im Wohnzimmer unter. Derart kleine Behausungen führen dazu, dass Hörnchen im Kreis laufen, also einen Stereotyp ausbilden. Schön ist das nicht !

Trotzdem möchte ich ein paar Haltungstipps für die Verantwortungsvollen unter uns loswerden. Wenn du einen großen Garten hast, in den du eine sehr große Voliere bauen kannst, dann spricht natürlich nichts dagegen. Ich habe schon Anlagen gesehen, die über mehr als 100qm Bodenfläche verfügten. Das ist natürlich ein Traum !

Generell sind Eichhörnchen sehr pflegegleichte Tiere. Alleine der Umstand, dass europäische Eichhörnchen hier Zuhause sind bietet große Vorteile. Sie sind optimal auf unser Klima abgestimmt, Erkältungserkrankungen oder ähnliches deshalb sehr unwahrscheinlich. Anders als bei exotischen Arten kann man auf die Errichtung von  Winterschutzräumen verzichten und muss zur sinnvollen Ernährung der Tiere nicht auf schwer zu beschaffendes und teures Exotenfutter zurückgreifen. Aber wie bei allen Tieren sind auch bei der Eichhörnchenhaltung einige Regeln zu beachten.

Keine Tiere aus der Natur entnehmen

Wenn du ein Eichhörnchen halten möchtest, dann wende dich bitte an einen seriösen Züchter. Bitte kaufe keine Tiere ohne Zuchtbescheinigung

Wahrscheinlich hast du über eine Anzeige im Internet Kontakt zu einem Eichhörnchenzüchter aufgenommen. Doch Vorsicht: Auch hier tummeln sich enorm viele Schwarze Schafe ! Nicht jedem Züchter liegt das Wohl der Tiere am Herzen. Es gibt einige, die einfach nur Profit aus der Zucht schlagen möchten. Wenn du dich verabredet hast um ein Tier abzuholen und dir die Tierhaltung insgesamt komisch vorkommt, dann  zeige dies bei der Naturschutzbehörde oder dem Veterinäramt an. Es hilft auch nichts, ein Tier aus solchen Verhältnissen zu „retten“. Im Gegenteil. Der unseriöse Züchter fühlt sich durch seinen guten Absatz bestätigt und wird noch mehr Tiere halten und züchten wollen. Lass von Tieren aus schlechter Haltung die Finger. Du hilfst ihnen am meisten, wenn du dem Züchter das Handwerk legst !

Doch nun gehen wir von dem Fall aus, dass du ein wunderbares Tier aus guten Verhältnissen dein eigen nennst und es artgerecht halten möchtest. Dafür findest du hier ein paar Tipps und Überlegungen:   

Vor dem Bau

Bevor du den Grundstein deiner Voliere legst solltest du  klären, wie groß du deine Voliere überhaupt bauen darfst. Dies ist abhängig vom städtischen Bebauungsplan. Oft benötigst du für die Genehmigung das Einverständnis und die Unterschriften deiner Nachbarn. Das gilt insebsondere für reine Wohngebiete.

Ist blöd – ist aber leider so 🙁

Baust du ohne Rechtssicherheit, kann dir im schlimmsten Fall der nachträgliche Abriss drohen. Informiere dich daher VOR dem Volierenbau bei deinem zuständigen Bauamt / Landratsamt über die Auflagen. Diese sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Alle Tiere müssen außerdem bei der Naturschutzbehörde mit Zuchtbescheinigung gemeldet werden. Am besten du besorgst dir auch gleich ein Bestandsheft indem du alle Ab- und Zugänge akribisch genau dokumentierst.

Überlege dir außerdem sehr gut ob du die Verantwortung übernehmen willst, denn Eichhörnchen werden in Gefangenschaft bis zu 15 Jahre alt (zum Vergleich: in der Natur erreichen sie in etwa ein Alter von 2-3 Lebensjahren). Eichhörnchen weitervermitteln ist nicht so einfach wie einen neuen Besitzer für einen Hamster zu finden. Die Abgabe im Tierheim scheidet genauso aus, wie die die illegale Freilassung in die Natur. Bei Artenverfälschung verstehen die Behörden zurecht keinen Spaß !

Hier kannst du nun ein paar Bilder von meiner ehemaligen Voliere betrachten. Die Voliere war zu 2/3 überdacht, damit die Eichhörnchen nicht plötzlich im Regen stehen mussten. Seinerzeit hatte ich mich aus Kostengründen für den Bau einer Holzvoliere entschieden – heute würde ich eindeutig zum Kauf einer teuren aber robusten Aluvoliere raten ! Schon alleine die immense Arbeitszeit, die der Eigenbau in Anspruch in Anspruch nimmt wäre mir heute einfach lästig. 

Der Aufbau

Ein vorgefertigtes Alugehege ist enorm viel schneller aufgebaut, witterungs- und urinbeständig und zudem wesentlich stabiler. Gerade die Dachkonstruktion stellt den Hobbybastler vor ungeahnte Schwierigkeiten. Wohnt man in schneereichen Gebieten, wird die Winterzeit schnell zur Zitterpartie. Spätestens wenn das Volierendach einer unprofessionellen Holzkonstruktion unter der Schneelast  in die Knie zu gehen droht, wünschst du dir, du hättest nicht am falschen Ende gespart ….
Eichhörnchen nagen zudem gerne an Hölzern. Von Zeit zu Zeit wirst du bei der kostengünstigen Holzvariante nach und nach das ein oder andere Element austauschen müssen. Wohl dem, der seinen Eichhörnchen dann bis zum Abschluss der Reparaturarbeiten eine Ersatzunterkunft anbieten  kann.

Je größer die Voliere, desto besser für dein Hörnchen. Eine Haltung auf den vom Gesetz vorgeschriebenen 3qm finde ich generell nicht sinnvoll für die bewegungsfreudigen Tiere. Eine Voliere für 2 Hörnchen sollte meiner Meinung nach die 20qm Grenze keinesfalls unterschreiten.

Eine angemessene Voliere steht auf einem Fundament, welches ca. 40cm (besser 70cm) cm in die Erde ragt und somit auch nächtliche Besucher von Außen fernhält.

Um Zugluft zu vermeiden wird die Voliere an zwei Seiten geschlossen. Idealerweise kannst du an eine bestehende Hauswand anbauen und hast somit schon eine erste feste und geschlossene Seite. Wenn nicht, dann mauere an zwei Seiten eine Wand hoch oder schließe die Voliere dort mit Holz. Bedenke schon bei der Planung, dass du später irgendwo die Kobel anbringen musst. Da die Holzkisten nicht ganz leicht sind, ist es am sichersten, diese  an eine feste Mauer zu dübeln. 

Solltest du dich für die Marke Eigenbau  entschieden haben, kaufe dir einen ordentlichen Volierendraht mit einer Maschenweite von 1cm oder weniger. Dies verhindert, dass sich kleine Mäuschen einschleichen können. Was Eichhörnchen schmeckt, schmeckt anderen Nagern auch. Leider sind diese aber oft Parasiten durchseucht und dienen als Krankheitsüberträger. Deshalb müssen sie leider draußen bleiben 🙂

Die Innenaustattung

Ein weiterer wichtiger Schritt in punkto Schädlingsbekämpfung folgt mir der Gestaltung des Bodens. Dafür wird in den Boden der Voliere verzinkter Draht einbetoniert. Die Nahtstellen zwischen Draht und Fundament werden mit Beton bestrichen und somit verschlossen. Mäuse, Ratten und andere Eindringlinge können sich nun auch von unten nicht mehr einschleichen. Nach Abschluss der Arbeiten wird über dem Draht ca. 40 cm Erde aufgefüllt. Der Boden ist somit weiterhin bepflanzbar und die Eichhörnchen können ihre Nüsse verbuddeln. Im Herbst kann man so auch prima sein Laub aus dem Garten entsorgen – die Hörnchen danken es.

Am schönsten für alle ist die naturnahe Einrichtung der Voliere. Dazu gehört eine ordentlich dicke Schicht Erde als Einstreu, viele Klettermöglichkeiten, Gras, Moos und bei Belieben etwas Rindenmulch.

Wenn du die Möglichkeit hast, besorge dir ganze Baumkronen für die Innenausttattung. Dafür fragst du am besten bei einem Förster oder dem Forstamt nach. Oft werden Bäume gefällt, die man sich abholen darf. Geeignete Gehölze und Baumsorten sind: Birken, Tannen, Eichen, Ahorn und Buchen. Gerade Birken sind wegen des Baumsaftes bei Eichhörnchen sehr beliebt. Andere gern gesehen Pflanzen sind Bambus, Hopfen, Holunder und natürlich Haselnusssträucher. Vermutlich wird die Inneneinrichtung nicht sehr lange halten, denn Eichhörnchen zerlegen mit ihren spitzen Zähnchen so ziemlich jedes Gebüsch in Windeseile. Von Zeit zu Zeit muss deshalb neu nachgepflanzt werden.

Als Futterstelle eignen sich Baumscheiben oder große Wurzeln, auf die man ein Tellerchen mit Eichhörnchenfutter stellen kann. 

Erhöhter Futterplatz

Der Kobel

Rückzugsort und Schlafgemach : Der Kobel

Das Nest der Eichhörnchen wird Kobel genannt. In der Natur haben diese Nester immer 2 Ausgänge (einen Haupteingang und einen Fluchtausgang). In unserer Haltung verliert der zweite Ausgang natürlich an Bedeutung, da die Hörnchen keinen natürlichen Feinden ausgesetzt sind.

Es kann durchaus vorkommen, dass sich die Hörnchen auch freie Nester in Astgabeln bauen (sofern dies bei dir möglich ist). Meist werden diese allerdings von den Böckchen errichtet und interessieren die werdende Mutter herzlich wenig. Diese bevorzugt in der Regel die von dir bereitgestellten Holzhäuschen.

Für den Kobel nimmt man in der Regel Nistkästen für Grosssittiche. In vielen Zoofachhandlungen sind Eichhörnchenhäuser aber mittlerweile fester Bestandteil der Produktpalette. Als Nistmaterial eignen sich Kokosfasern und Holzwolle besonders gut. In diesen Fasern setzen sich Parasiten wie Flöhe nicht so gerne und schnell fest. Holzwolle besitzt außerdem die angenehme Eigenschaft, dass es die Eichhörnchen im Sommer schön kühl und im Winter schön mollig warm haben. 

Ein kuscheliges Nest

Du musst den Kobel übrigens nicht ausstopfen“, sondern legst das Nistmaterial einfach auf den Boden oder in eine geeignete Astgabel. Innerhalb 2-4 Tagen erbauen sich die Hörnchen daraus ihr Nest. Im Winter kannst du zusätzlich Nistmaterial aus Baumwolle anbieten, dann wird das Nest noch flauschiger. Ausserdem polstern Hörnchen ihr Nest sehr gerne mit Moos und Blättern aus, welches sie auf dem Boden der Voliere finden.

 
kobel
Fix und fertig aus dem Zoofachhandel
Stabiler Eigenbau

Futtertipps und einen Speiseplan findest du auf der Seite „Ernährung“. Neben prall gefülltem Futternapf ist täglich frisches Wasser eine Selbstverständlichkeit ! Im Sommer finde ich es schön eine Mischung aus Wildblumensamen in den Boden der Voliere einzuarbeiten. Blumenwiesen locken Insekten an, welche von Eichhörnchen gerne gefressen werden. So kannst du fast kostenlos den Speiseplan um ein paar Proteine erweitern.

Die Sache mit dem Laufrad

Tja, das ist so eine Sache ! Ich hatte nie eines und ich hatte auch nie den Eindruck dass ich eins bräuchte. Natürlich nehmen Eichhörnchen Laufräder an, wenn ihnen das zur Verfügung gestellt wird. Aber ist es artgerecht ? Ist es sinnvoll ? Ist es nicht besser ihnen ausreichend Platz und Klettermöglichkeiten zu bieten ? Die Frage darfst du dir gerne selbst beantworten 🙂

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